Vernetzt euch! Fünf Netzwerke für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.

Im Jahr  2005 meldete ich meine Selbstständigkeit beim Gewerbeamt an und feiere somit am 15. Dezember 2013 meinen 8. Gründer-Geburtstag; kein Jubiläum, keine Schnapszahl. Aber ich kann eine gescheiterte und eine erfolgreiche Firmengründung vorweisen, ein veröffentlichtes Fachbuch und eine großes Netzwerk, ohne das ich vieles nicht geschafft oder überstanden hätte. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um dieses etwas detaillierter und in seinen möglichen Variationen zu beschreiben.

Gewachsene Netzwerke

Das vielleicht wichtigste zuerst. Entscheidend für den Start in die Selbstständigkeit ist nicht was, sondern wie und in welcher Konstellation mit wem und für wen man bisher gearbeitet hat. Und dabei geht es nicht ausschließlich um klassische Angestelltenverhältnisse. Man macht sich, mit allem was man tut und unterlässt, in seinem natürlichen Netzwerk aus Familie, Freunden, Kommilitonen, Kollegen, Vorgesetzten etc. einen Namen für bestimmte Talente und Aufgaben. Im besten Fall wächst man daran und wird nach dem Schritt in die Selbstständigkeit weiterempfohlen. Ohne solche Kontakte ist mit einem schnellen Ende oder einer sehr langgezogenen Startphase zu rechnen.

Bei mir ist die erste Leitungsposition zum Beispiel durch die Empfehlung meines damaligen Vorgesetzten zustande gekommen. Mein erster größerer Auftrag als Freelancer erfolgte ebenfalls durch eine ehemalige Geschäftsführerin. Bis heute habe ich Kontakte zu Kollegen aus meiner Zeit in einem Internet Startup, in einer Werbeagentur und beim Deutschen Turnerbund und genau darüber wieder neue potenzielle Partner und Auftraggeber kennen gelernt.

Entstehende Netzwerke

Egal wie offen oder verschlossen man anderen gegenüber auftreten möchte, ist zu große Schüchternheit in keinem Fall hilfreich. Die antizyklische Herangehensweise (Akquise in erfolgreichen Zeiten zu betreiben) bietet sich an und wurde auch von mir vor allem am Anfang leider nur sehr stiefmütterlich umgesetzt. Dabei hat man in einem aktuellen Erfolgsfall alle Argumente auf seiner Seite, Kunden und Neukunden davon zu überzeugen, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen, in Anspruch zu nehmen oder zumindest weiterzuempfehlen.
In unserer Agentur haben wir uns angewöhnt, unsere Kunden und Dienstleister direkt nach dem Auftrag mit einem Fragebogen zu konfrontieren. Darin enthalten ist auch der Wunsch, diese als Testimonials auf unserer Website zu integrieren. Tatsächlich führt allein diese Anfrage zu spontanen Ideen, wo ebenfalls Bedarf für unsere Leistungen vermutet wird.

Soziale Netzwerke

Ebenso wichtig wie die beschriebene Art des Empfehlungsmarketing ist die Nutzung der unterschiedlichen Online-Kanäle. Die Bezeichnung Social Networks kommt nicht von ungefähr. Es sind Tools mit deren Hilfe man wichtige Kontakte gewinnen, pflegen und sogar sortieren kann. Die als Marketingkanäle funktionieren und die ebenso wie eine zeitgemäße Webpräsenz positiv auf die Suchmaschinen wirken. Das heißt, das Ziel muss sein, vorhandene Kompetenz und die angebotenen Leistungen im Zusammenhang mit dem eigenen Namen dort findbar zu machen, wo sie gesucht werden: im Internet.

Neben der inzwischen klassischen Suchanfrage über Google, Yahoo oder Bing, spielt dabei die Ansprache von sozialen Kontakten auf Xing, LinkedIn, Facebook oder Twitter eine wichtige Rolle. Über diese Wege bleibe ich zum Beispiel mit meinem Netzwerk in Kontakt, finde spezialisierte Dienstleister für die Umsetzung von Projekten und erhalte Anfragen für Workshops und Beratungen.

Hilfsbereite Netzwerke

Steuern, Recht und Marketing müssen beherrscht werden. Und zwar vor allem von Steuerberatern, Rechtsanwälten und Kommunikationsprofis. Doch die meisten Selbstständigen haben eine andere Profession und bedienen andere Bedürfnisse. Man kommt manchmal nicht daran vorbei, diese Leistungen einzukaufen und dennoch gibt es auch in diesem Bereich Situationen, wo allein der Austausch von Know-How oder der berühmte Blick von außen sehr hilfreich sein kann.

Durch meine kaufmännische Ausbildung habe ich einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber anderen Selbstständigen und Freelancern in Sachen Kalkulationen oder bei Businessplänen, doch technisch und gestalterisch muss ich mich leider mit zwei linken Händen zufrieden geben. Der Nachteil kann aber auch zum Vorteil werden, wenn innerhalb des Netzwerkes die eigenen Fähigkeiten gesucht und die vorhandenen Unzulänglichkeiten behoben werden können.

Partnerschaftliche Netzwerke

Durch ein Netzwerk von Selbstständigen in einem ähnlichen Segment besteht darüber hinaus die Chance sich weiter zu spezialisieren und zu professionalisieren. Denn durch einen aktiven Austausch kann voneinander gelernt werden, um zum Beispiel Fehler nicht zu wiederholen oder um Standards zu etablieren. Ein solches Netzwerk kann sogar zu einem festen Pool aus Spezialisten werden, das bei besonderen Herausforderungen oder fehlenden Ressourcen empfohlen wird und das vice versa Leistungen und Angebote ebenso weitergibt. Natürlich kann man auch zusammen auftreten, um umfassendere Aufträge gemeinsam zu stemmen.

So wird die Akquisition von Projekten zu einem Gemeinschaftsprojekt und die eigentliche Profession erhält den Platz in der täglichen Arbeit, den sie verdient. Auf diese Art und Weise ist vor über sechs Jahren meine Firma, die keksbox –  marketingagentur., entstanden, die mit ihrem Netzwerk als TEAMKBX und mit Bauhelmen, gemeinsame Webprojekte realisiert.

Aus jedem Netzwerk kann man nur so viel mitnehmen, wie man bereit ist hinein zu geben. Ein neues Netzwerk zu finden bzw. aufzubauen ist immer die größere Herausforderung.

Bildquellen

  • Netzwerke – we are your friends.: Bastian Koch