Entrepreneurship nach Prof. Faltin und meine Erfahrungen mit dem Konzept

Prof. Faltin hat mit „Kopf schlägt Kapital“ ein sehr lesenswertes Buch geschrieben, das sich mit Leichtigkeit und Freude lesen lässt und mich begeistert, beeindruckt und sehr motiviert hat meine eigene „Gründerstory“ zu verfolgen.

Nicht nur für Unternehmensgründer bietet das Buch die Chance, sich neue Sichtweisen zu eröffnen. Im folgenden möchte ich auf die Gründungsphilosophie von Prof. Faltin eingehen und meine Erfahrungen in der Umsetzung schildern.

Um den Ansatz von Prof. Faltin für mich zu systematisieren, habe ich eine Zusammenfassung erstellt, die ich gerne mit Euch teile und die anderen Gründern als Arbeitshilfe dienen kann. Prof. Faltin empfiehlt, mit Hilfe folgender Fragen eine eigene Idee zu finden bzw. die Anfangs- und Grundidee zu überprüfen:

Fragen zur Ideenfindung, Grundidee:

  • Ein Wunsch?
  • Was ärgert mich (an Produkten)?
  • Was fehlt mir (oder meinen Freunden)?
  • Kann man bestimmte Dinge nicht einfacher, besser, preiswerter machen?
  • Was würde ich gerne mit anderen zusammen unternehmen?
  • Was mache ich gerne in meiner Freizeit?
  • Wofür gebe ich Geld aus? Was bekomme ich dafür? Ist das gut oder nicht so gut? Kann ich das besser machen? Was fehlt mir dazu?
  • Was mache ich besonders gerne? Kann ich damit Geld verdienen?
  • Wie müsste das aussehen? Was brauche ich dafür? Wer müsste mir helfen?
  • Wie kann ich diese Hilfe für mich mobilisieren?
  • Trends?
  • Wie kommt das Gute in die Welt?
  • Welche Begleiterscheinungen von Armut in Deutschland gibt es?
  • Praktisch, haltbar, billig, schön? Zweckvollendung nach W. Gropius
  • Passt die Idee zu mir, zu meinen persönlichen Lebenszielen? Gefühlsmäßig?
  • Bin ich begeistert?
  • Was kann ich aus vorhandenen Modulen neues komponieren?
  • Welche Dinge fallen anderswo an, die ich kostenlos anderweitig nutzen kann?
  • Was ist das überzeugende an meiner Idee?
  • Mit welchen Mitteln kann ich diesen Punkt verdeutlichen?
  • Tourismus in Deutschland? Weltweit größter Wirtschaftszweig
  • Wer ist mein Kunde?
  • Was ist der Kundennutzen?
  • Welches Produkt oder welche Dienstleistung biete ich an?
  • Wie sieht der Markt und Wettbewerb aus?

Ist die Grundidee gefunden, kann sie anhand folgender Kriterien betrachtet werden. So entsteht das „Entrepreneurial Design“:

  • Habe ich einen erheblichen Marktvorteil? (Alleinstellungsmerkmal)
  • Ist der erkennbar?
  • Habe ich einen Vorsprung vor Imitatoren?
  • Mehr als einen Vorsprung, z.B.Vorsprung durch Preis und Qualität?
  • Denken Sie die Szenarien möglicher Imitatoren beim Design Ihres Geschäftsmodelles mit
  • Vor technischer Veralterung schützen
  • Vor wirtschaftlicher Veralterung schützen
  • Möglichst geringer Finanzierungsaufwand (ist ein Maßstab für die Qualität des Designs!)
  • Marketing ist integraler Bestandteildes Entrepreneurial Designs
  • Wie muss mein Marktvorteil aussehen, damit das Marketing leicht fällt?
  • Skalierbarkeit: Lässt sich das Konzept vervielfältigen? (Berücksichtigung potentiellen Wachstums)
  • Einfachheit: „Complexity kills! It sucks your energy, flow and creativity.“
  • „In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung“ L. Da Vinci
  • Risiken minimieren: durch Vermeidung von Risiken, seiner eigenen Ängste bewußt zu sein, sich Vorbilder und Berater suchen

Kritisches zum Buch

Kritisch anzumerken habe ich, dass sich im Buch einige Wiederholungen befinden, wodurch es für meinen Geschmack an Übersichtlichkeit verliert. An manchen Stellen hätte ich mir zudem detailliertere Informationen gewünscht bzw. eine Angabe zu weiterführenden Quellen.

Für mich hat das Buch vor allem der Inspiration und Motivation gedient.

Das Buch bewerte ich als sehr empfehlenswert für jeden Menschen, insbesondere für Gründer/innen.

Meine Idee: Bewerbungsmappen

Meine Gründerstory begann wie gesagt mit dem Lesen des Buches und folgender Idee: Zunächst durch eigene Bewerbungen und später durch die Arbeit mit Arbeitslosen habe ich mich ausführlich mit Bewerbungsmappen beschäftigt. Die Bewerbungsmappen die es zu kaufen gab hatten eine Reihe von Nachteilen. So fing ich an zu experimentieren und zu recherchieren und habe eine Reihe eigener Bewerbungsmappen entwickelt.

Vorbild Teekampagne: Direktverkauf in großen Mengen

Nach dem Vorbild von Prof. Faltins „Teekampagne“ wollte ich meine Bewerbungsmappen über den Online-Shop www.freiburger-mappen.de direkt an die Kunden verkaufen, damit die Großhändler und Einzelhändler umgehen, und meinen Kunden hochwertige Bewerbungsmappen zu einem möglichst günstigen Preis anbieten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Im großen und ganzen hat es funktioniert. Verkauf im Internet ist allerdings viel aufwendiger und bietet viel mehr Fallstricke als ich es mir je hätte träumen lassen. Ohne professionelle Suchmaschinen-Optimierung und einen professionell gestalteten Online-Shop empfehle ich das keinem. Das wiederum erfordert ein paar Tausend Euro an Investitionen und steht im Widerspruch zu Prof. Faltins Idee, mit wenig Geld zu gründen.

Was (noch) nicht funktioniert hat:

Ein Teil meines „Entrepreneurial Design“ war es, die Bewerbungsmappen über Sammelbestellungen durch Bildungsträger und von Schulklassen zu verkaufen, um so Arbeitslosen und Schüler/innen ein sehr gutes Produkt zu einem möglichst günstigen Preis anzubieten. Das hätte für mich eine Reihe von Vorteilen: virales Marketing, größere Bestellmengen und Gewinnung von Multiplikatoren als „Stammkunden“ die spätestens nächstes Jahr wieder eine Bestellung organisieren. Das hat bisher nicht funktioniert. Unter anderem deshalb, weil die Fluktuation von Lehrkräften bei Bildungsträgern hoch ist und weil es kritisch ist meine privatwirtschaftlichen Interessen an öffentlichen Schulen einzubringen.

Kooperationen

Wichtig finde ich es, das eigene Geschäftsmodell immer wieder weiter zu entwickeln. Auch Kooperationen sind dazu eine gute Möglichkeit. So bietet inzwischen ein anderer Online-Shop einen Teil meiner Bewerbungsmappen in seinem Sortiment an und das Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader empfiehlt meine Bewerbungsmappen. Wer sich schon mal mit Bewerbungsliteratur befasst hat, kennt vermutlich die wohl bekanntesten Bewerbungsratgeber-Autoren.

Selbstbestimmtes Arbeiten ist gut

Es hat einiges an Ausdauer und Durchhaltevermögen erfordert um bis hierher zu kommen, doch es hat sich gelohnt dran zu bleiben, weil ich sehr viel gelernt habe. Das betont auch Prof. Faltin: Das selbstbestimmte Arbeiten ist für die persönliche Entwicklung eine enorme Bereicherung.

„Kopf schlägt Kapital“ von Prof. Faltin kostenlos online lesen (wenn Ihr euch auf der Seite anmeldet).

Weitere kostenlose Literatur zum Thema.

Bildquellen

  • Kopf schlaegt Kapital: Günter Faltin / Kopf schlägt Kapital