EXIST Gründerstipendium – Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Wenn man sich in die Selbständigkeit begeben möchte, sollte man sowohl mit den Hochs als auch mit Tiefs umgehen können. Positives Denken und ein gutes Team sind die Grundvoraussetzung für Erfolg. Als wir für unseren ersten Antrag auf das EXIST Gründerstipendium eine Absage erhielten, konnten wir es nicht glauben. Aber Aufgeben war und ist keine Option, also haben wir unser Team ergänzt und es ein zweites Mal versucht. Gerne möchte ich mit euch unsere EXIST Erfahrungen teilen. Eine spannende Zeit liegt zurück und viele spannende Zeiten werden sicherlich noch auf uns warten. Viel Spaß beim Lesen unseres Erfahrungsberichtes.

Was ist das EXIST Gründerstipendium?

Das EXIST Gründerstipendium ist eine Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Insgesamt drei Personen können für ein Jahr lang das Stipendium beziehen und bekommen monatlich 2000 Euro brutto gezahlt. Hinzu kommen Sach-und Coachingbeträge, die für den Aufbau der Unternehmung dienen sollen. Wer EXIST bekommen kann? Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Grundlegend ist es wichtig einen Universitätsabschluss zu haben, nicht länger als 5 Jahre aus der Uni ausgeschieden zu sein und eine innovative und Technologie orientierte Idee zu haben. Alle Details dazu findet Ihr auf der EXIST-Homepage.

Wie mit Amoonìc alles anfing?

Olga Dick und ich lernten uns bei der Siemens AG kennen. Es entstand bereits nach kurzer Zeit eine innige Freundschaft. Verbunden hat uns vor allem von Anfang an der gemeinsame Traum sich selbständig zu machen und gefackelt haben wir nicht lange. Nach einem Jahr war die Idee und ein erstes Konzept für Amoonìc geboren. Was ist Amoonìc? Amoonìc ist eine E-Commerce Plattform für individualisierbaren Designer-Echtschmuck. Das bedeutet für den Endkunden, dass er auf www.amoonìc.de aus einer Vielzahl an individuellen Schmuckdesigns wählen und diese durch die Auswahl von Edelmetallen und Edelsteinen an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann. Für jede Konfiguration werden dem User die passenden Produktbilder in fotorealistischer Qualität angezeigt. Nach Bestellungseingang wird das Schmuckstück für den Kunden „on demand“ produziert. Das heißt, dass auf Lagerhaltung verzichtet werden kann, da Amoonìc virtuelle Produkte im Wert von 98 Euro bis 2,48 Millionen Euro verkauft, die erst nach Auftragseingang produziert werden.

Wie wurden wir auf EXIST aufmerksam?

Unseren heutigen IT-Manager und Gesellschafter Michael Niqué haben wir auf dem Start-up weekend in Nürnberg 2010 kennengelernt und Ihm haben wir es auch zu verdanken von EXIST erfahren zu haben. Zum damaligen Zeitpunkt waren wir noch auf der Suche nach geeigneten Teammitgliedern für unsere geplante Unternehmung. Michael wies uns darauf hin, dass unsere Idee so neuartig und technisch orientiert ist, dass wir uns doch für EXIST bewerben sollen. Wir hatten zwar schon von EXIST gehört, aber vor lauter organisatorischem Hick-Hack, gerade vor der Gründung, wieder vergessen. Für diesen Tipp sind wir Michael heute noch dankbar. Gesagt, getan. Kurzum haben wir uns über EXIST informiert und entschlossen zu versuchen das Stipendium zu bekommen.

Die Ideenskizze

Mit der Friedrich Alexander-Universität Erlangen Nürnberg haben wir unser Konzept detailliert ausgearbeitet und begonnen eine Ideenskizze zu schreiben. Leichter gesagt, als getan. Was gefordert wird, ist eher ein detaillierter Businessplan als eine „Ideenskizze“. Für uns war klar, wenn wir es schaffen das Stipendium zu bekommen, kündigen wir unsere Jobs bei unseren Arbeitgebern und wagen den Sprung in die Selbständigkeit.

Antragseinreichung und erste Absage

Nachdem wir unseren Antrag und unsere Ideenskizze eingereicht hatten, mussten wir uns acht Wochen lang gedulden und dann kam die traurige Nachricht-die Absage. Leider hatten wir zwei Punkte zu wenig und wurden abgelehnt. Der Grund? Das Team war dem Projektträger noch nicht umfassend genug. Wir hatten zwar genug Marketingerfahrung, aber noch keinen IT-Fachmann direkt im Team. Sehr ernüchternd und unberechtigt, wie wir fanden. Natürlich waren wir im ersten Moment mehr als nur niedergeschlagen, denn es ging uns nicht nur um das Stipendium. Diese Zu-oder Absage hatte auch Auswirkungen auf unsere Jobs. Gedanklich hatten wir schon damit abgeschlossen und waren kurz davor bei unseren Arbeitgebern zu kündigen. Von unserem Berater bei der Beratungsstelle der Universität wtt in Erlangen wurden wir ermutigt es nochmal zu versuchen.

Zweite Chance – Hartnäckigkeit ist gefragt!

Hartnäckigkeit ist eine der wichtigsten Tugenden, die man mitbringen muss, wenn man eine eigene Firma gründen möchte. Olga Dick und ich erfüllen die Voraussetzung zu 150%, denn wir geben nicht auf. Für uns war klar, wir mussten Michael Niqué für uns gewinnen, denn er brachte alle Voraussetzungen mit, die für EXIST wichtig waren. Wir hatten zwar mal eine Absage von Ihm erhalten, aber wir wollten es nochmal versuchen, denn er sollte das dritte EXIST Mitglied und unser Partner für die Unternehmung Amoonìc werden. Er war sehr angetan von der Idee, da er einerseits so seinen Lebensunterhalt sichern und andererseits bei Amoonìc mitwirken konnte. Die Idee und das Konzept von Amoonìc haben Ihn von Anfang an begeistert. Erneut haben wir uns mit unserer Mentorin Professor Dr. Möslein von der Friedrich-Alexander Universität und Michael Niqué beraten, das Team ergänzt und das Konzept an der ein oder anderen Schwachstelle nochmal überarbeitet. Bis in die tiefe Nacht haben wir an der Ideenskizze gearbeitet und Sie letztendlich erneut eingereicht. Diese 8 Wochen waren die spannendsten überhaupt.

Die Entscheidung

Nach 6 Wochen war es soweit. Mir wurde das Ergebnis mündlich mitgeteilt. Mir liefen die Tränen am Telefon, denn wir waren überglücklich – der Antrag wurde genehmigt. Bereits zwei Tage später kündigte ich meinen festen Job beim Fraunhofer Institut und begann den Schritt in ein neues Leben. Es war endlich soweit. Amoonìc war nicht mehr nur ein Projekt, sondern der Start in eine neue und spannende Zukunft.

Bürokratie

Bürokratie hin oder her, das EXIST Gründerstipendium ermöglicht einem den Schritt in die Selbständigkeit und das mit insgesamt um die 95.000 Euro, die einem vom Staat geschenkt werden. Natürlich ist die Voraussetzung, dass die Idee innovativ ist und einen starken innovativen Fokus aufweist. Aber wenn man diese Voraussetzung erfüllt, stehen einem viele Türen und Tore offen. Der Verwaltungsaufwand ist ok und wenn man bedenkt um wie viel Geld es geht, völlig legitim. Es ist unglaublich wie viele Möglichkeiten einem vom Staat geboten werden. Man muss sich nur schlau machen und darf nichts unversucht lassen. Dann kommt man auch zum Ziel. Sollte man nach dem EXIST-Stipendium noch eine weitere Förderung benötigen, so kommt das Flügge Programm Bayern ggf. in Frage.

Der Onlinegang von Amoonìc

EXIST ermöglichte es uns, die Unternehmung Amoonìc aufzubauen und im Oktober 2011 online zu gehen. Durch EXIST konnten drei Personen ein Jahr lang finanziert werden, die sich Vollzeit mit Amoonìc beschäftigen konnten und das ist viel Wert. Wir haben EXIST viel zu verdanken und können jedem, der eine innovative und technisch orientierte Idee hat, empfehlen sich für das Stipendium zu bewerben. Heute ist Amoonìc ein Jahr alt und wir sind stolz auf das, was wir bisher geschafft haben. Wir konnten unseren Traum verwirklichen und möchten mit www.amoonic.de der größte Onlinejuwelier für individualisierbaren Echtschmuck werden.

Bildquellen

  • Geschäftsführerinnen von Amoonic: Amoonic GmbH

3 Gedanken zu „EXIST Gründerstipendium – Hartnäckigkeit zahlt sich aus“

  1. Es entspricht auch meiner Erfahrung, dass das EXIST-Gründerstipendium Wert darauf legt, dass die technische Innovation im Team vorhanden ist. Daher wundert mich die erste Ablehnung nicht. Es scheint so, dass euch der erneute Review des Antrags dann aber sogar für euren geschäftlichen Erfolg geholfen hat.
    Darf ich fragen, in welche Richtung der Innovationsgehalt bei euch geht?

    • Wie bei allen Geschäftsideen ist das Team entscheidend. Mit einem super kompetenten Team klappt alles, was man sich vornimmt.

      Das Konzept von Amoonìc ist bisher noch nicht vollständig umgesetzt. Wir bewegen uns künftig Richtung Open Innovation. Mehr verraten wir dazu noch nicht. Innovativ war sowohl die Idee als auch das, was sich technisch im Hintergrund (vor allem automatisiert) abspielt. Hier wurde mehr als nur eine Innovation geschaffen:). Was im Vordergrund so einfach aussieht, ist im Hintergrund sehr komplex, aber genial.

  2. Hartnäckigkeit zahlt sich nicht nur beim EXIST Gründerstipendium aus, sondern auch bei anderen staatlichen Fördermitteln wie dem Gründungzuschuss oder Einstiegsgeld. Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit mussten Ende letzten Jahres mit ansehen wie dieses Programm sang- und klaglos gestrichen wurde.
    Viele Gründer lassen sich seitdem einfach durch die Aussage eines Sachbearbeiters „Das kriegen Sie nicht“ so verunsichern das Sie nicht mal mehr den Antrag stellen. Da kann ich mir den Kommentar „Reife Leistung“ in Richtung Politik und Arbeitsamtführung nicht verkneifen.
    Gründer die allerdings hartnäckig sind und sich evtl auch Unterstützung holen schaffen es auch in 2012 dieses Förderinstrument zu nutzen. Das dies beim EXIST Programm auch so ist – verständlich.
    Das Akademiker stärker gefördert werden als reguläre Gründer – nur zum Teil nachzuvollziehen. Die Begründung das Akademiker mehr Arbeitsplätze schaffen als reguläre Gründer könnte wissenschaftlich nur unter gleichen Bedingungen nachgewiesen werden. Diese existieren aber nicht nur durch das EXIST Programm, sondern auch durch zahlreiche andere Programme nicht.

    Es bleibt zu wünschen das nachhaltige Gründerideen – reguläre und akademische – auch hartnäckige Gründer haben, die sich nicht so einfach abschrecken lassen durch die ersten Neins.

    Gruss Klaus

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