Gründer sein ist doof!

Warum? Man ist ja nur selbst und ständig, hat keine Kohle in der Tasche, träumt aber von Millionen und rennt irgendwelchen Hirngespinsten hinterher. Der Gründer hat in Deutschland immer noch einen Looser-Status. Und wehe dir, du bist einmal gefallen und versuchst wieder aufzustehen. Außerdem warten während der Gründungsphase so viele Fallen auf dich, dass du mindestens eine davon mitnimmst.

Es sind definitiv Lehr- aber auch Leerjahre, wo du auf so ziemlich alles was dir lieb ist verzichten musst. Und nicht zu vergessen, dass du mit großer Wahrscheinlichkeit Rohabbau an deiner Gesundheit vornimmst, weil der Tag leider immer noch nur 24 Stunden für dich bereithält. Das Burnout lässt grüßen.

Oder doch nicht doof?

Der eine oder andere Gründer wird sich bestimmt in den oberen Sätzen wiederfinden. Ich glaube sagen zu können, dass ich in meiner Vergangenheit nichts ausgelassen habe. Vielleicht bin ich ja ein bisschen bekloppt, aber mal ganz ehrlich, etwas Neues zu schaffen, Probleme für viele lösen zu dürfen oder einfach nur Mehrwerte zu schaffen ist ein geiles Gefühl. Dabei ist es mir egal wo ich stehe: Mal auf der Gründer- und mal auf der Beraterseite. Jeder Gründer, jede Gründung ist anders. Die Motivation und die Kreativität die dort rübergebracht wird sind einzigartig.

Beim ersten Mal tut’s noch weh

Während der Dotcom-Zeit hatte ich meine erste Firma gegründet. Damals brauchte ich für meine Verhältnisse richtig fettes Kapital. Ich kam (zum Glück) zu spät. Die Blase war geplatzt. Wer weiß, wie das ausgegangen wäre. Nichts desto trotz habe ich sehr viel gelernt, was man während einer Gründung alles nicht machen sollte.

Die Jahre danach

Die waren heftig. Ich war permanent auf der Suche nach einer Geschäftsidee, die zu mir passt. Ich habe keine Ahnung wie viele ich in dieser Zeit entwickelt und wie viele Businesspläne ich geschrieben habe. Im Endeffekt kamen ein paar kleine Gründungen – mit Partner – heraus und meine Lehrjahre gingen weiter. „Nebenbei“ hatte ich auch das eine oder andere wirklich anspruchsvolle Angestelltenverhältnis. So habe ich schon damals das Zweischichtsystem (pro Tag) kennen gelernt.

Die zündende Idee

Bei allen Jobs, die ich hatte, war ich immer Quereinsteiger. Ich habe viele Branchen, Jobs durch, die allesamt Spaß gemacht haben. Aber irgendwann kam ich immer an einen Punkt wo es langweilig wurde. Ich wollte immer mehr und deshalb kündigte ich. Und wo kann ich mehr bekommen? Richtig. Ich baue mir mein eigenes Unternehmen auf.

Aber leichter gesagt als getan. Es gibt während einer Gründung unzählige Herausforderungen. Vor knapp fünf Jahren habe ich mir genau dazu – Herausforderungen eines Gründers – richtig den Kopf zerbrochen. Gefunden hatte ich das Geschäftsmodell, was haargenau zu mir passt.

Der Weg ist das Ziel

Glücklich mit einem dicken und detaillierten Businessplan in der Tasche zog ich los, um hier in M-V eine Finanzierung klar zu machen. Pustekuchen! Man war (und ist an vielen Stellen immer noch) geblendet von den politischen und geförderten Gründerprojekten, so dass ich dort keinen Platz hatte. Denn mein Geschäftsmodell drehte sich um Gründer und gründungsnahe Dienstleister. Aber nein, Mahlendorf und Existenzgründung passten aus deren Sicht einfach nicht zusammen.

Okay, dachte ich mir, jetzt hast du dir im Laufe der Jahre angewöhnt, ein „nein“ als Motivation aufzufassen. So machte ich mich auf den Weg, um mein Geschäftsmodell mit anderen Gründern zu besprechen. Aber wo waren diese? Es gab sie nicht – die Gründer-Szene.

Der Weg zum Gründernetzwerk MV STARTUPS

Wer hätte gedacht, dass ich mal ein Blogger werde? Ich jedenfalls nicht. Aber so ist das. Um mein großes Ziel, meine eigentliche Geschäftsidee umsetzen zu können, kam mir die fehlende Gründer-Szene wie gerufen. Ich schrieb am 31. Juli 2009 meinen ersten Blog-Artikel. Damals noch unter rostock-startups.de. Die sozialen Medien traten gerade ihren Siegeszug an und ich bediente mich intensiv dieser Kommunikationsmittel.

Geplant war, dass ich nur für ein paar Wochen täglich etwas zu Gründungsthemen schreibe. Denn eigentlich wollte ich nur einen monatlichen Gründerstammtisch organisieren, um die Szene aufzubauen. Aber erstens kommt es anders und na ja ihr wisst schon. Es ist schon faszinierend, wenn Leute das lesen was man geschrieben hat. So wurde ich zu einem der aktivsten Blogger in M-V. Mit knappen 700 Blog-Artikeln und tausenden Posts in Facebook & Co habe ich in den 2,5 Jahren Google gefüttert.

Aber die Gründer-Szene aufbauen, habe ich auch geschafft. Der erste Gründer-Stammtisch fand am 09. September 2009 in Rostock statt. Die Resonanz war hervorragend, ich war begeistert und hoch motiviert weiter zu machen.

MV STARTUPS heute

Was soll ich sagen, die letzten drei Jahre haben ganz schön geschlaucht. Nicht nur das tägliche Bloggen, sondern die Hetze von einem zum anderen Termin, der Aufbau des Netzwerkes und die Organisation der Gründer-Stammtische. Denn mittlerweile wurde aus rostock-startups.de mv-startups.de. Aus einem Stammtisch sind sechs Stammtische – OpenCoffee Clubs (Rostock, Greifswald, Neubrandenburg, Wismar, Schwerin, Stralsund) geworden.

Oft wurde ich gefragt, warum ich das mache, da ich daran doch keinen Cent verdiene und auch nicht gefördert oder gesponsert werde. Für mich war es einfach überfällig, dass das mal einer in die Hand nimmt. Das jetzige Ergebnis bestätigt mir meine Arbeit. Und wer aktiver Netzwerker ist, weiß dass man zwar nicht die Uhr danach stellen kann, aber dennoch kommt der eine oder andere Auftrag rüber – und das ohne in die Akquise gehen zu müssen.

Wie geht’s weiter?

Die Arbeit um das Gründernetzwerk macht riesigen Spaß. Die Unterstützung seitens meiner Familie ist glücklicher Weise enorm groß. Eine andere Frau hätte mich mit meinem Arbeitsstil wahrscheinlich schon rausgeschmissen. Aber auch die Partner, die mich in vielen Dingen unterstützen möchte ich nicht mehr missen. Und nur so können die Angebote um MV STARTUPS wachsen: Gründer-Paket, Workshops mit OpenCoffee Club Feeling, Seminare, Betreuung und Begleitung von Gründern in allen „Lebenslagen“, Gründer-Interviews, Vernetzung, Vermittlung, Unterstützung usw. Denn nach wie vor steht der Gründer im Vordergrund. Alles andere kommt (fast) von alleine. Die dicke Kohle verdienen war noch nie die Motivation, um erfolgreich zu werden. Das kann man bei diversen Unternehmergrößen nachlesen.

Fazit

Selber Gründer zu sein oder sich mit vielen Gründern zu umgeben ist und bleibt phantastisch. Da bleibt man selber jung. Jedenfalls von der Einstellung her. Und weil das so ist, nehme ich es gerne in Kauf, mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, weil auf Facebook wieder drei Chatfenster offen sind, wo ich mich mit Gründern nicht nur aus M-V über gründungsrelevante Themen austausche, nebenbei noch telefoniere, aber eigentlich doch E-Mails beantworten wollte.

Ich reise gerne und viel durch M-V, organisiere die OpenCoffee Clubs, baue das Gründernetzwerk weiter auf, halte Vorträge und Workshops, nehme an diversen Veranstaltungen und Programmen teil, freue mich auf jeden „Hilfeschrei“ von Gründern und gebe gerne all meine Erfahrungen weiter, die ich im Laufe der letzten 12 Jahre sammeln durfte.

Und dennoch bin ich noch nicht da angekommen wo ich hinwill. MV STARTUPS hat nach oben noch ganz viel Platz. Da muss und wird auch noch einiges passieren. Und wer weiß, wann ich mit meiner eigentlichen Geschäftsidee von vor fünf Jahren starten kann. Bis jetzt jedenfalls wäre ich noch First Mover.

Also, Gründer zu sein ist nicht doof – sondern richtig cool.

Falk Mahlendorf | mv-startups.de

Bildquellen

  • Falk Mahlendorf von mv-startups: Falk Mahlendorf

1 Gedanke zu „Gründer sein ist doof!“

  1. Toller Beitrag, der das Gründen sehr gut beschreibt und Mut macht.

    Vor allem der Abschnitt „Oder doch nicht doof?“ bringt es exakt auf den Punkt, den letztendlich stehen wir an der Spitze der Nahrungskette, weil wir fähig sind etwas und damit uns weiter zu entwickeln. Wer daran Spaß hat, für den ist das Gründen genau das Richtige. Wer gleich ans große Geld denkt, wird schnell die Segel streichen müssen. Erst einmal ist Vorleistung angesagt und das nicht zu wenig.

    Mag er auch noch so anspruchsvoll sein (wobei anspruchsvoll oft mit „der Job wirft viel Kohle ab“ verwechselt wird und hier besteht ein gravierender Unterschied), die o. g. Punkte wird ein Angestelltenverhältnis niemals leisten können.

    Weiterhin viel Erfolg mit MV Startups!

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