Was taugt ein Homepage-Baukasten?

Für Gründer stellt sich in der heutigen Zeit nicht die Frage ob, sondern wie man sich im Internet präsentiert. Zur Beantwortung dieser Frage spielen vor allem die folgenden drei Komponenten eine Rolle: vorhandenes Know-How, Geld das investiert werden kann und die Geschwindigkeit mit der eine Online Präsenz aufgebaut werden soll. Ein Homepage-Baukasten ist eine Möglichkeit unter vielen, sich eine Webseite aufzubauen und ich möchte hier auf die Pros und Contras dieser Systeme eingehen.

Homepage-Baukasten – Mit wenig Geld schnell im Netz

Wer entweder selber, oder im Freundeskreis ausreichend Know-How zur Programmierung seiner eigenen Webseite besitzt, der kann an dieser Stelle aufhören zu lesen, da die eigene Seite wahrscheinlich schon besteht.

Wer genügend Geld investieren kann und möchte, der sollte sich nach einer spezialisierten Agentur umsehen und sich Referenzseiten zeigen lassen.

Wer am liebsten gestern schon online gegangen wäre, für den also die Geschwindigkeit mit der eine Seite umgesetzt werden soll eine wichtige Rolle spielt, der sollte dies klar mit einem externen Dienstleister (auch mit Freunden, die einem helfen) kommunizieren.

Für diejenigen, die weder über Know-How, noch über große finanzielle Möglichkeiten verfügen, aber trotzdem schnell im Netz vertreten sein wollen gibt es die Möglichkeit einen so genannten Homepage-Baukasten zu nutzen.

Die Vorteile von Homepage-Baukästen

Auf andere Sachen konzentrieren

Ich persönlich habe das erste Mal einen Homepage-Baukasten genutzt, als ich im Studium für 1 Jahr im Ausland war und meine Erlebnisse dort beschrieben habe. Das waren meine ersten Schritte im Netz mit einer eigenen Onlinepräsenz und während dieser Zeit konnte ich viele Basics lernen, die mir auch heute noch im Gründeralltag helfen. Wenn man selber an einer Seite bastelt erlangt man automatisch ein Grundverständnis für die Webseite, weil man Probleme für sich lösen muss: wie verlinke ich Inhalte, welche Struktur gebe ich einer Seite, wo bekomme ich gute Fotos her, etc. Das man sich selber mit der eigenen Webseite auseinandersetzen muss, ist ein absoluter Pluspunkt von Homepage-Baukästen.

Schnell im Netz sein

Ein weiterer Vorteil für Gründer ist, dass man extrem schnell eine erste Version der eigenen Seite aufsetzen kann. Das eignet sich für einen einfachen Start oder einen ersten Markttest eines neuen Produktes, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen. Je nach Anbieter erhält man ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis mit einigen Möglichkeiten zur Individualisierung. Über die letzten Jahre haben sich die Baukastensysteme extrem weiterentwickelt, so dass man durchaus eine professionelle Präsenz mit ihnen bauen kann.

Merkliche Einschränkungen

Bei den meisten Anbietern gibt es eine kostenfreie Basisversion, mit der man das Produkt kennenlernen kann. Das bedeutet aber auch, dass man in der Einsteiger-Variante keine eigene Domain, sondern eine so genannte Subdomain (deinedomain.anbieter.com) bekommt und kleine Werbeeinblendungen auf der Seite hat. Sobald man jedoch eine kostenpflichtige Variante wählt (ab ca. 5 €/Monat) bekommt man eine werbefreie Homepage mit eigener Domain.

Vorgegebene Möglichkeiten

Man sollte bei Webseiten Baukästen aber auch immer im Hinterkopf haben, dass man sich in einem vorgegebenen System bewegt, dass an manchen Ecken einfach an seine Limits stößt. Je nach Anbieter gibt es bei den Systemen unterschiedliche Engpässe in den Gestaltungsmöglichkeiten, das kann von der Navigation über die angebotenen Templates bis hin zu den SEO Möglichkeiten gehen.

Schwierig zu bewerten sind auch die Branchenvorlagen. Zum einen entstehen durch die zum Teil vorformulierten Texte doppelter Inhalt, sofern die Texte nicht mehr durch den Webseitenbetreiber angepasst werden und das mag Google gar nicht. Auf der anderen Seite werden die Vorlagen oft 1 zu 1 übernommen, so dass z.B. alle Rechtsanwaltsseiten die auf dieser Basis laufen gleich aussehen. Das kann nicht Ziel einer Webseite sein.

Bevor man beginnt, sollte man sich aber selbst ein Bild machen und mit einer Testversion schauen, ob man mit einem bestimmten System zurecht kommt und es die Anforderungen erfüllt. Wie unterschiedlich die Erfahrungen von Gründern mit einem Homepage-Baukasten sind, könnt ihr den folgenden Erfahrungsberichten entnehmen:

3 Erfahrungsberichte

Pro: Fertige Vorlagen und mögliche Individualisierung

Es geht auf meiner Homepage um Anregen, Informieren und das Präsentieren unserer Produkte (Muffins) und die Möglichkeit diese auch im Online Shop zu ordern.

Ich bin grundsätzlich sehr zufrieden, da die Jimdo Variante viel Flexibilität bietet, man also einen wirklich individuellen Auftritt kreieren kann. Es ist einfach und verständlich gemacht, auch wenn man vorher damit nicht viel zu tun hatte.

Mir gefällt, dass es schon so einige tolle Varianten und fertige Vorlagen gibt auf die man zurück greifen kann und das man diese dennoch individuell mit eigenen Farben, Schriften und Bildern versehen kann. Mir gefällt auch gut, dass das Shop System relativ einfach anzuwenden ist und sich leicht in die Homepage integrieren lässt.

Was mir noch fehlt ist eine Möglichkeit Gutscheine / Codes zu vergeben, welche man im Shop einlösen kann. Und die Pflichtangaben im Shop vom Besteller sind nicht sehr individuell wählbar, wenn man PayPal als Zahlungsart dabei hat.
Ich würde den Baukasten von Jimdo auf jeden Fall weiterempfehlen und habe es des öfteren bereits getan 😉

Iris Behn, www.muffin-manufaktur.com, umgesetzt mit dem Homepage-Baukasten von Jimdo

Kontra: Spezialfunktionen fehlen

Mit unserer Webseite repräsentieren wir eine Firma im Bereich Reiseveranstalter für Klassenfahrten mit der Darstellung sämtlicher von uns angeboten Reisezielen.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass man zwar sehr schnell eine Homepage erstellen kann, aber trotzdem ist unsere Zufriedenheit mit dem System eher gering. Wenn man sich nicht mit dem Online Marketing, speziell SEO auskennt, kann man hier sehr schnell Fehler machen kann und muss dann wieder auf Fachleute zurückgreifen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Navigationsstruktur, die sehr statisch ist. In unserem Fall bräuchten wir eine gute Suchfunktion, die fehlt.

Gut ist, dass man alle Elemente der Webseite eigenständig rein- oder rausstellen und bearbeiten kann.
Ich würde den Homepage-Baukasten von Jimdo leider nur eingeschränkt, auf Grund einer fehlenden Suchfunktion und der Navigation empfehlen.

Isabell Neemann, www.ne-studienreisen.de, umgesetzt mit dem Homepage-Baukasten von Jimdo

Es kommt darauf an…

Als Entwickler von Online-Shops mit Magento müsste ich eigentlich gegen Fertigbaukästen sein. Ich würde sie auch niemandem empfehlen, der sehr individuelle Probleme lösen muss oder dessen Shop schon erfolgreich ist. Wer seine Gründung aber ohne großes Eigenkapital startet oder gar nur als Nebenerwerb ausübt, dem würde ich einen möglichst einfachen technischen Einstieg ans Herz legen. Es kommen mit Marketing und Kundenservice schon genug Baustellen auf einen zu.

Ich kenne zwei Fälle, in denen je verschiedene Homepage-Baukästen für Online-Shops verwendet wurden. Den einen gibt es schon nicht mehr und da die Gründerin alles selbst gemacht hat, blieb ihr der Lerneffekt statt großer Schulden. Ein anderer Bekannter dessen Unternehmen langsam anläuft könnte dagegen erfolgreicher sein, wenn er in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung mehr Freiheiten hätte. Doch auch hier hätte das eigene Ersparte nicht zur Finanzierung eines Online-Shops gereicht.

Thomas Maier, Programmierer für Online-Shop mit Magento

 

Fazit: Insgesamt kann man festhalten, dass Homepage Baukästen einen guten, soliden und vor allem schnellen Einstieg in das Internet bieten können, sofern man den richtigen Anbieter wählt. Auch wenn man eine Idee austesten möchte kann man risikoarm damit starten. Sobald man merkt, dass eine Idee funktioniert, sollte man sich aber Gedanken machen, ob man eine professionelle Eigenentwicklung und/oder man Unterstützung im Designbereich in Anspruch nimmt. Einfache Seiten ohne all zu individuelle Funktionen und auch kleine Online Shops können ohne Probleme mit einem Homepage-Baukasten umgesetzt werden.

Bildquellen

  • Homepage-Baukästen Anbieter: Das Urheberrecht der einzelnen Logos liegt bei den jeweiligen Anbietern, Zusammenstellung von Dirk Fuhlhage.