Mit Bloggen Geld verdienen

Als Webentwickler für WordPress habe ich naturgemäß häufig mit Blogs zu tun. Als Gründer interessiert mich dabei zudem nicht nur die technische Seite, sondern auch die wirtschaftliche. Gleich in der ersten Session auf dem gerade zu Ende gegangenen WordCamp Hamburg und die dort folgende Diskussion haben mir ein paar neue Gedanken zur Frage gegeben, ob und wie man mit Bloggen Geld verdienen kann.

Bloggen – Business oder Hobby?

Ich vermute keinen Widerspruch, wenn ich jetzt behaupte, dass die meisten Blogs aus einem Hobby bzw. einer Leidenschaft heraus betrieben werden. Daher passen zu diesem Thema auch meine im Betrag zur Monetarisierung eines Hobbys geäußerten Überlegungen.

Grundsätzlich eignet sich nicht jedes Thema zum Bloggen. Manche Inhalte lassen sich einfach nicht monetarisieren – ob mit größter Anstrengung oder selbst mit respektablen Besucherzahlen. Nicht zuletzt die Art der Einnahmequelle ist hier für den wirtschaftlichen Erfolg ausschlaggebend.

Was verkauft ein Blogger?

Um vom Bloggen zu leben stellt sich die Frage, woher denn das Geld kommt. Genauer lautet die Frage: Wer bezahlt mich wofür?

Der erste, und theoretisch passendste Gedanke wäre natürlich, Leser bezahlen zu lassen, so wie es klassische Medien ja auch tun. Doch selbst die etablierten (Online-) Medien machen da meistens nicht die besten Erfahrungen und die Bereitschaft, für einen unbekannten Blog, oder sogar für einen ungelesenen Beitrag, zu bezahlen geht wahrscheinlich gegen Null.

Wenn ein Blogger nicht seine Artikel verkauft, was bleibt ihm dann um Geld zu verdienen? Auch hier kommt das Beispiel aus den klassischen Medien: Der Verkauf von Aufmerksamkeit und Reichweite an Werbekunden.

In den letzten Jahren ist es technisch sehr einfach geworden, Werbung auf seiner Webseite einzubinden. Selbst den Vertrieb der Werbeplätze muss man nicht mehr selbst vornehmen, sondern er wird von Werbenetzwerken geleistet.

Der Nachteil, gerade bei der Vermarktung durch Netzwerke ist jedoch, dass der Umsatz eher gering ist. Der Blog muss schon sehr produktnah ausgerichtet und von einer klickbereiten Nutzerschaft besucht werden, um über 10€ pro 1.000 Seitenaufrufe zu verdienen. Gerade im deutschsprachigen Raum hat ein neuer Blog das schon sehr schwer.

Zur Frage, wie viel man mit dem bekanntesten Anzeigennetzwerk – Google AdSense – verdienen kann, habe ich einen Beitrag bei webgilde verfasst.

Bloggen als Marketingkanal

Wenn weder Leser noch Werbenetzwerke bezahlen, wie kann ich dann meiner Leidenschaft des Bloggens Geld verdienen?

Die Antwort kennen viele, die es schaffen, mit ihrer Seite eine aktive Leserschaft anzusprechen. Plötzlich kommen Anfragen, mit denen man nicht gerechnet hätte. Aufträge für Gastbeiträge, Beratung von Unternehmen zum Thema Blogmarketing oder der Verkauf von eBooks.

Diese Gelegenheiten, die sich kaum planen lassen, zeigen, dass der eigene Blog dazu dient, seine Fähigkeiten und Persönlichkeit zu vermarkten. Jeder Beitrag ist demnach eine öffentliche Bewerbung an noch unbekannte, potentielle Auftraggeber und Partner. Diese erinnern sich vielleicht dann an euch und eure Inhalte, wenn sie einen entsprechenden Bedarf haben.

Artikel verkaufen

Da es besonders in der Diskussion der schon erwähnten Session explizit angesprochen und mit Beispielzahlen hinterlegt wurde, hier noch ein Abschnitt zum Verkauf von Artikeln an andere Seiten.

Kleine Medien, aber auch etablierte Blogs bezahlen häufig nicht mehr als 30-50€ für das Schreiben eines Artikels durch externe Autoren. Traditionelle Medien vergüten Beiträge für ihre Online-Ausgaben aber auch schon mal mit 150-250€ pro Beitrag.

In beiden Fällen ist es jedoch nicht einfach, an solche Aufträge zu kommen. Dabei spielt natürlich die Reputation und teilweise sogar Ausbildung der Schreibenden eine Rolle. Man kann also nicht als neuer Blogger gleich an einen etablierten Online-Kanal herantreten.

In der Diskussion kam berechtigt die Frage auf, ob diese Preise ausreichen, um eine Familie zu ernähren. Für den unteren Bereich, nämlich Honorare bis zu 50€ waren sich die Teilnehmer einig, dass dies nicht der Fall ist, aber der Betrag für gerade neue und junge Blogger doch schon das beste ist, was der Markt hergibt.

Interessant fand ich dabei auch den Hinweis des Referenten, dass sich Blogger und Journalisten hier noch unterscheiden. Journalisten recherchieren viel mehr auf klassische Art und Weise, und holen sich zum Beispiel ein Statement per Telefon ein, während sich Blogger aufgrund einer nicht schlechteren, aber anderen Art zu schreiben weniger Zeit in aufwendige Tätigkeiten stecken. Hier kann also ein Artikelpreis von 50€ durchaus auch wirtschaftlich angemessen sein.

Noch einmal zum Vergleich: 50€ sind mindestens 5.000 sehr gut vermarktete Seitenaufrufe (bei optimistischen 10€ pro Tausend Aufrufe). Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das im deutschen Raum nicht von alleine passiert.

Die VG Wort bezahlt übrigens aktuell 10€ für jeden Artikel, der mindestens 1.500 Mal pro Kalenderjahr aufgerufen wurde. Würde ich die jedes Jahr für jeden Artikel auf gruenderstory.de erhalten, dann wäre das schon ein netter Nebenverdienst. Nicht einer der vielen Artikel wäre aber für 10€ geschrieben und auch nur 2 Artikel haben haben dieses Besucherlimit im vergangenen Jahr überhaupt erreicht.

Bloggen – nichts zum Geld verdienen?

Fällt nun Bloggen als Möglichkeit, seine persönlichen und finanziellen Ziele zu erreichen vollkommen raus? Das kommt meiner Ansicht nach darauf an, wie sehr ich mich auch mit den wirtschaftlichen Aspekten auseinandersetzen will. Laufe ich lieber vor diesen weg, dann würde ich immer dazu raten den Blog als Hobby aufzubauen und zu schauen, was passiert.

Ein bisschen erinnert mich das Geschriebene an die Hoffnungslosigkeit von Geisteswissenschaftlern. Als Betroffener weiß ich, wie schwer es für die meisten ist, nach abgeschlossenem Studium eine inhaltlich passende Arbeit zu finden. Nur weil ich etwas wertschätze, tut es die (zahlende) Gesellschaft noch lange nicht. Aber ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Wenn ich mit meinen Gedanken schon nichts verdiene, dann belohnt mich doch einfach mit einem Kommentar.