Redet über eure Geschäftsidee

Erstmal kündigen…

Als ich mich Ende letzten Jahres mit dem Gedanken trug ein eigenes Startup aufzuziehen, stand als erstes die Frage nach einer geeigneten Geschäftsidee im Raum. Meinen Job hatte ich schon gekündigt, aber eine Geschäftsidee war noch nicht da.

Im Nachhinein war es gut, dass ich meinen Job schon gekündigt hatte um mir so genügend Druck und den nötigen Ernst aufzubauen, um auch wirklich eine Idee zu finden und umzusetzen. Ich spiele mit so vielen Ideen, aber damit eine Gedankenspielerei zu einer ernsthaften Idee reift musste ich für mich klare Verhältnisse und eine Deadline schaffen. Das ist vergleichbar mit einer Hausarbeit in der Uni, die man so lange aufschiebt, so lange bis der Abgabetermin direkt vor der Tür steht. Irgendwann setzt der Druck ein und plötzlich wird man produktiv und erkennt den Ernst der Lage. Und irgendwie schafft man es dann auch tatsächlich immer zum Abgabetermin fertig zu sein, so ähnlich erging es mir während der Ideenfindung.

Ich habe also nach meiner Kündigung sämtliche Scheuklappen abgelegt und bin komplett offen für neue Ideen durch meinen Alltag gegangen. Dabei habe ich versucht möglichst viele Ideen zu generieren, unabhängig davon ob diese realistisch waren oder nicht. Danach habe ich die Grundgedanken aufgeschrieben und für mich bewertet. Wenn eine Idee meiner ersten Bewertung nach Umsetzungsmöglichkeiten standgehalten hat bin ich mit der Idee auf mein direktes privates Umfeld zugegangen. Das erste Feedback hat mir sehr geholfen, vor allem auch um meine eigenen Gedanken in verständliche Worte zu fassen. Das ist oftmals nicht so einfach ist, frei nach dem Motto: „In meinem Kopf hat das alles eben noch Sinn gemacht…“

Der Gründer als Geheimniskrämer

In der Zeit in der ich mich in der Startup Welt herumtreibe habe ich es immer wieder beobachtet, dass viele Gründer dazu neigen, aus ihrer Geschäftsidee ein Staatsgeheimnis zu machen: „Ich plane da was ganz großes, aber das ist noch im Stealth-Mode, ich darf da noch nicht drüber reden.“ Ich kann ja verstehen, dass man seine Idee nicht jedem x-beliebigen Gesprächspartner in Gänze auf die Nase binden will, aber aus meiner Sicht ergeben sich aus fast jedem Austausch mit anderen Gründern neue Ideen oder Ansätze, die man selber noch nicht bedacht hat. Für mich hat sich Offenheit bisher immer ausgezahlt und ich habe bislang auch noch keinen Klon meiner Geschäftsidee im Netz gefunden 😉

Verschiedene Versionen der Geschäftsidee erzählen

Abhängig vom Gesprächspartner kann es hilfreich sein, sich verschiedene Versionen der eigenen Idee zurecht zu legen, z.B. das Geschäftsmodell erklären, ohne die Zielgruppe zu erwähnen, oder andersherum. Wichtige Details können bei Bedarf auch ausgespart werden, wenn ihr euch nicht 100%tig sicher seid, ob ihr dem Gesprächspartner vertrauen könnt. So könnt ihr extrem wichtiges Feedback bekommen und das große Bild der eigenen Idee wird runder.

Qualität und verschieden Stufen des Feedbacks

Ich kann also jedem angehenden Gründer nur raten, sich über seine Geschäftsidee auszutauschen, ich persönlich bin wie folgt vorgegangen:

  1. im ersten Schritt mit dem direkten Umfeld, z.B. Freunde und Bekannte denen man vertraut.
  2. Im zweiten Schritt bin ich auf mein Netzwerk zugegangen und habe mir Menschen gesucht, die aus derselben Branche kommen. Hier gibt es zwei Vorteile, 1. Kennt man seinen Gesprächspartner im Idealfall schon länger und vertraut diesem und 2. kann der Gesprächspartner die Idee challengen und die richtigen (manchmal schmerzhaften) Fragen stellen.
  3. Im dritten Schritt habe ich dann den direkten Kontakt zu meiner Zielgruppe gesucht, in meinem Fall handelt es sich dabei um professionelle Fotografen. Dieser direkte Austausch war Gold wert, hier konnte ich ein Gefühl für die Bedürfnisse meiner Zielgruppe entwickeln und die Grundidee auf Resonanz testen. Man kann noch so viel in seinem stillen Kämmerlein über eine bestimmte Zielgruppe recherchieren, das persönliche Gespräch vermittelt einen wesentlich realistischeren Eindruck. Ich bin extrem offen auf meine Gesprächspartner zugegangen und das hatte zur Folge, dass auch die Fotografen mindestens genau so offen waren. So konnte ich äußerst konstruktive und inspirierende Gespräche führen. Ein schöner Nebeneffekt dabei ist auch, dass man auf diesem Weg Beta Tester für seine Idee gewinnen kann, die das Produkt auf Herz und Nieren testen und zu denen man schon eine persönliche Beziehung aufgebaut hat.

Fazit: Geht raus und redet über eure Geschäftsideen!

1 Gedanke zu „Redet über eure Geschäftsidee“

  1. Herr Fuhlhage hat vollkommen Recht: Wer Angst hat, dass seine „große“ Idee geklaut wird, der sieht meist nicht wie ‚klein‘ seine Idee wirklich ist.
    Meist ist es ja doch nur eine kleine Variation einer bestehenden Idee und es kann jeder auf genau dieselbe Idee kommen.
    Was letztlich zählt, ist die Umsetzung. Also rausgehen, lernen, lernen, lernen.

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