Was ändert sich wenn man Geld verdient?

Nach meinem Studium, der Arbeit in Freiwilligendiensten und gefördert durch diverse Gründerstipendien kann ich jetzt als selbstständiger Programmierer meinen Lebensunterhalt endlich selbst finanzieren. Ich erlebe diesen Wandel gerade sehr bewusst und teile hier meine Eindrücke bevor sie sich vielleicht (oder hoffentlich) in Selbstverständlichkeit auflösen.

Selbstbelohnung

Ich bin grundsätzlich ein sparsamer Mensch. Seit ich jedoch Geld mit meiner eigenen Arbeit verdiene habe ich Lust dieses Geld auch für Konsumgüter und Reisen auszugeben. Außerdem hat es bei der Entscheidung geholfen aus einer WG in eine Wohnung zu ziehen.

Noch in der Zeit in der ich ein gut dotiertes exist-Stipendium erhielt war das anders. Jetzt habe ich mir wirklich etwas „verdient“.

weniger arbeiten

Es scheint zunächst perplex, aber jetzt wo ich mit mehr Arbeit auch mehr Geld verdienen kann ich meine Arbeitszeit bewusster zügeln. Das ist in der Praxis nicht immer so, weil sich natürlich Projekte nicht automatisch in 8-Stunden-Häppchen verteilen, aber ich mache auch mal Wochenende oder denke an Urlaub. Doch selbst bei einem 12-Stunden-Tag bin ich jetzt deutlich entspannter und habe nicht immer noch das Gefühl, ich müsse heute noch produktiv sein.

Ich habe vorher teilweise orientierungslos an vielen Projekten gearbeitet in der Hoffnung, dass sich mindestens eines davon zu einem ertragreichen Unternehmen entwickelt. Das war praktisch kontraproduktiv, weil vielen Projekten dadurch der notwendige Fokus fehlte. Die Priorität ergibt sich mittlerweile aus dem Einkommen, das eine Tätigkeit mit sich bringt. Kundenprojekte gehen dabei vor.

Zusätzlich hat sich auch der Druck verringert Geld verdienen zu müssen, weil ich mittlerweile weiß, dass ich es kann :). Ich muss also nicht mehr an Projekten arbeiten, die das Potential offensichtlich nicht haben. Interessant ist zu beobachten, dass sich der fehlende Druck langsam in positiveren Ergebnissen widerspiegelt.

Zeit hat einen Wert

Viele der gleich näher erläuterten Eindrücke basieren auf der veränderten Sichtweise, dass Zeit einen Wert hat. Aufgrund größtenteils stundenweiser Abrechnung gibt es einen Wert, den ich einer Stunde zuordnen kann. Das hat Einfluss auf viele Entscheidungen meines Alltags.

andere arbeiten lassen

Viele Aufgaben die nicht meine Kernthemen Magento- und WordPress-Programmierung betreffen, lagere ich zunehmend an Leute aus, deren Preis-Leistungs-Verhältnis besser ist. Das betrifft sogar Projekte mit denen ich kein oder nicht vorrangig Geld verdiene. Dadurch verbessern sich die Ergebnisse und ich habe mehr Zeit mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ein Beispiel das sicherlich viele kennen ist die Steuererklärung. Ich kann in der Zeit, die ich selbst an der Steuererklärung sitzen würde, mehr Geld verdienen als sie mich beim Steuerberater kostet und habe dabei auch noch mehr Spaß.

Ausstattung

Ich gebe besonders für die Dinge, die direkt mit meiner Arbeit als Programmierer zu tun haben mehr Geld aus. Das betrifft z.B. das MacBook inklusive besserem Display. Ebenfalls kaufe ich Dinge die meine Produktivität erhöhen wie z.B. das iPad für die Arbeit unterwegs und auf Konferenzen oder wenn Equipment für eine bessere Arbeitsumgebung sorgt, wie eine externe Maus an jedem Arbeitsplatz oder ein externer Monitor.

Zuverlässigkeit

Ich investiere nicht zuletzt in gute Technik, weil ich bei einem Ausfall derselben praktisch arbeitsunfähig bin. Das gleiche gilt für externe Dienstleistungen. Ich bin mehr bereit für Leistungen Geld auszugeben, wenn ich davon ausgehen kann, dass das Ergebnis meinen Erwartungen entspricht. Zu schlecht sind meine bisherigen Erfahrungen mit günstigen Angeboten, auch wenn das natürlich nicht verallgemeinert werden kann.

Convenience

Ich fahre immer noch bevorzugt mit der Bahn, habe mein Auto sogar abgeschafft. Dennoch sitze ich gerade im Zug ohne mir vorher eine Mitfahrgelegenheit mit einem Gruppenticket organisiert zu haben. Ein Beispiel dafür, dass mir zunehmend Spontanität und Gemütlichkeit Geld wert sind. Ich habe mir sogar eine BahnCard gekauft und fahre jetzt auch mal ICE, weil ich da noch besser arbeiten kann.

Soziale Absicherung

Ich besaß schon als Student eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Natürlich habe ich auch eine Krankenversicherung. Nur die Höhe der Absicherung und die Zeitspanne bis finanzielle Unterstützung das fehlende Einkommen ausgleicht, haben sich verändert.

 

Ich weiß, dass viele Leser ebenfalls junge Gründer sind, die nach und nach von ihren Projekten leben können. Haben sich auch eure Sichtweisen rund um das Thema Geldausgeben geändert? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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