Promillemessungen auf Veranstaltungen – ein Erfahrungsbericht

Seit langem komme ich endlich wieder dazu, eine Unternehmensidee zu präsentieren. Dieses Mal handelt es sich sogar um eine Idee, die ich in der Praxis erprobt habe. In meiner Studienzeit habe ich zusammen mit drei Partnern ein kleines Unternehmen gegründet, das auf Veranstaltungen Promillemessungen angeboten hat. In diesem Artikel geht es um unsere Erfahrungen beim Aufbau des Unternehmens bis hin zu den Gründen seines Scheiterns.

Die Idee – schon oft gesehen

Im Frühjahr 2006 hatten mein Bruder und ich die Idee, gemeinsam ein Unternehmen aufzubauen. Wir hatten uns die bereits an anderen Orten florierende Idee von Promillemessungen auf Veranstaltungen herausgesucht.

Kern des Geschäftsmodells war es, Besuchern von Diskotheken und Kneipen die Messung ihres Promillewertes zu verkaufen. Diese Messung erfolgt durch professionelle Geräte, wie sie auch die Polizei verwendete.

Ich hatte damals schon einige Erfahrungen mit der Beantragung von Fördergeldern, mein Bruder kannte sich aufgrund seiner Tätigkeit als Barmixer mit Veranstaltungen aus und zwei seiner Freunde sollten uns bei der praktischen Umsetzung unterstützen. Das Unternehmen nannten wir Alko-Checker (die Domains hat sich mittlerweile jemand anderes gesichert).

social Entrepreneurship

Wir begannen aber nicht einfach mit der Umsetzung, sondern schrieben zunächst einen Antrag für ein Förderprogramm. Dieser baute auf der hohen Zahl an sogenannten „Diskototen“ auf, Jugendliche, die nach dem Besuch einer Diskothek bei einem Autounfall ums Leben kamen, der von einem unter Alkoholeinfluss stehenden Fahrer verursacht wurde. Deren Zahl war in unserer Region Vorpommern besonders hoch. Mit den Messungen wollen wir das Bewusstsein der meist jugendlichen Diskobesucher über die Wirkung von Alkohol erhöhen. Wenn man so möchte, könnte man unseren Ansatz heute als „sozial Entrepreneurship“ verstehen.

Unser Ziel bestand dabei nicht darin, den Konsum von Alkohol zu verhindern, sondern das Bewusstsein für die Wirkung von Alkohol zu stärken und dazu zu führen, dass sich niemand unter Alkoholeinfluss ans Steuer setzt.

der erste Wettbewerber

Greifswald, wo wir mit der Umsetzung beginnen wollten, ist eine kleine Studentenstadt. Die Anzahl an Clubs und Kneipen ist recht überschaubar und damit für unser Vorhaben schon ein gewagter Markt. Nachdem wir die Zusage für die Förderung erhalten hatten und unsere ersten Kontakte vor Ort knüpften, erfuhren wir, dass zwischen der Einreichung unseres Förderantrags und der Zusage eine Gruppe von Studenten die gleiche Idee im Rahmen eines studentischen Gründungsprojektes bereits in die Tat umgesetzt hatten. Wir hatten also schon früh einen Wettbewerber, der trotz finanziell schlechterer Ausstattung bereits im Markt aktiv war und damit einen Wettbewerbsvorteil hatte.

Das ärgerliche an diesem Umstand war, dass wir ihn wahrscheinlich hätten verhindern können. Wir haben unseren Förderantrag geschrieben, bevor wir mit den späteren Partnern gesprochen hatten. Unsere Wettbewerber waren ein paar Monate später genau andersherum vorgegangen. Hätten wir also die Partner zuerst von uns informiert, hätte es vielleicht keinen Wettbewerb gegeben. Lektion gelernt – es gehören nicht nur eine gute Recherche von außen zum späteren Erfolg, sondern auch konkrete Kontakte zu potentiellen Partnern und Kunden.

die ersten Schritte

Durch die Förderung technisch, optisch und mit Marketingmaterial gut ausgestattet, haben wir es schließlich in einige Diskotheken geschafft. Hier rächte sich ebenfalls schnell die mangelnde Vorrecherche, diesmal in Bezug auf die zu erwartenden Preise. Auch wenn unsere Preise deutlich unter dem angesetzt waren, was in anderen Regionen üblich war, fanden sie zunächst schwer eine Akzeptanz. Nicht zuletzt wegen des Wettbewerbs lagen wir schließlich bei 1,50€ pro Messung, was sehr knapp kalkuliert war.

neue Ideen

Schnell stellten wir fest, dass allein die Anwesenheit in Diskotheken und Kneipen nicht ausreichte, um das Interesse auf uns zu ziehen. Die direkte Ansprache der potentiellen Kunden gestaltete sich schwierig und war auch nicht Sache von jedem im Team. Neue Ideen mussten also her.

Wir kamen schließlich darauf, unsere Messungen als Hauptact auf Veranstaltungen anzubieten. Bei einigen Diskotheken gibt es Tage, an denen relativ wenig los ist und kein eigenes Programm steht. Wir haben als Testlauf an einem besucherschwachen Samstag in einer Diskothek unsere Messung als Programm angeboten. Dabei hat ein Moderator aus unseren Reihen zu jeder vollen Stunde drei Menschen aus dem Publikum auf die Bühne geholt und sie ihren Alkoholwert schätzen lassen. Wer am Ende am besten geschätzt hat, gewann von uns und der Diskothek gesponserte Preise. Das kam sehr gut an und hat auch die Nachfrage nach Messungen gestärkt. Aber nicht nur ökonomisch, sondern auch dem sozialen Ziel kam dieses Vorgehen zu Gute. So wurden eben nicht die Teilnehmer belohnt, die am meisten getrunken hatten, sondern die, denen ihr jeweiliger Konsum bewusst war.

personelle Schwierigkeiten

Eine weitere Erkenntnis unserer Tätigkeit war, dass wer privat gerne feiern geht, nicht unbedingt genau so gerne beruflich Zeit in der Disko verbringt. Was sich in der Planung einfach anhörte, war recht schnell eine große Herausforderung, nämlich ausreichend Präsenz in den Veranstaltungen abzudecken, so dass wir mit der Zeit dazu gehörten.

Mit unseren eigenen Kapazitäten bald am Ende, haben wir weitere Mitarbeiter gesucht. Dabei haben wir auch auf Freunde zurückgegriffen, die aber schnell merkten, dass es ebenfalls nicht ihre Tätigkeit war. Mit der Zeit sank auch die Lust des Teams, ständig unterwegs zu sein.

wenn keiner mitspielt

Die personellen Herausforderungen waren ein Grund für die Aufgabe unseres Unternehmens. Die Ursache für das abrupte Ende bestand jedoch darin, dass uns knapp ein halbes Jahr nach Beginn von öffentlicher Seite Steine in den Weg gelegt wurden.

Der Sommer 2007 sollte eigentlich der Höhepunkt unserer Tätigkeit werden. Regionale und überregionale Großveranstaltung warteten. Dabei gab es drei Highlights, große mehrtätige Veranstaltungen. Diese werden zum einen Teil von den Gemeinden organisiert, zum anderen von Unternehmen. Von diesen Unternehmen haben wir frühzeitig eine Zusage für unser Anwesenheit erhalten, unter der Auflage, dass auch die öffentlichen Partner zusagten. Von diesen haben wir aber schließlich eine Absage erhalten. Ausschlaggebend war die Absage bei einer Großveranstaltung in Greifswald. Danach folgten schnell auch die anderen. Ich vermute dabei eine gewisse Verbindung. Komisch daran war die Begründung, wir würden eine Art Sicherheitsrisiko darstellen. Überraschend, dass wir keine Chance erhielten uns dazu zu äußern, obwohl wir von Einrichtungen aus dem Präventionsbereich unterstützt wurden und die Entscheidungsträger in der Verwaltung ebenfalls in öffentlichen Gremien zu diesem Thema saßen. Es verwunderte uns, dass wir von dieser Seite weniger unterstützt wurden als von den Unternehmern, die ja vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen eher hätten Angst haben müssen.

Im Herbst 2007 kam es dann zur endgültigen Auflösen des Unternehmens, nachdem sich das Team regional zerstreute.

Die Moral

Was ist die Moral aus diesem Erfahrungsbericht? Wir haben eine Menge über uns gelernt. Diese frühe Erfahrung hat mich auf einige wesentliche Dinge im Unternehmertum aufmerksam gemacht an die ich mich viel häufiger erinnern sollte. Wer selbst mit der Idee spielt sich mit Promillemessungen selbstständig zu machen, sollte diesen Artikel mehrmals lesen und auf die Probleme, denen wir begegnet sind, seine eigenen Antworten finden. Schreibt doch einfach einen Kommentar, wenn ihr fündig geworden seid.

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