Tipps für eine (Business)-Reise nach Tel Aviv / Israel

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit auf einer Konferenz in Israel zu sprechen und mich noch für einige Termine länger im Land aufzuhalten. Hier teile ich ein paar praktische Erfahrungen über das Land und die Reise, insbesondere solche, die ich selbst gerne vorher gewusst hätte.

Anreise über den Flughafen Ben Gurion

Der größte Flughafen von Israel ist der Ben Gurion, auch “Flughafen Tel Aviv”, der jedoch fast in der Mitte zwischen Tel Aviv und Jerusalem liegt. Von hier aus kommt man gut mit dem Zug in beide Städte. Wir waren so innerhalb von 15 Minuten in Tel Aviv.

Verkehr

Für den Zug, sowie die Busse, ist der Besitz einer elektronischen Fahrkarte notwendig, die man für 5 Schekel (aktuell ca. 1,30 €) kauft und dann aufladen kann. Die Fahrt vom Flughafen nach Tel Aviv kostete keine 14 Schekel und auch der Busverkehr innerhalb der Stadt ist recht günstig. Ich habe die Karte direkt in der Eingangshalle vom Flughafen erworben und aufgeladen.

E-Roller sind in Israel, insbesondere in Tel Aviv, sehr beliebt. Sie stehen und fahren überall. Autofahrer nehmen relativ viel Rücksicht auf Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer und machen sich im Zweifel bemerkbar. Fast an allen Zebrastreifen haben die Autos für uns angehalten.

Wir hatten selbst kein Auto, aber schon im Bus merkt man, dass der Verkehr sehr dicht ist und leicht zum Stehen kommen kann. Bei der Fahrt vom Konferenzzentrum war ich statt 22 Minuten fast eine Stunde unterwegs. Ein Taxi wäre hier auch nicht schneller. In den meisten Nebenstraßen war der Verkehr aber überraschend gering.

Apro pos Taxen. Diese haben auch bei den Einheimischen einen schlechten Ruf. Einem Bekannten auf der Konferenz wurden für 1,5 Kilometer ganze 200 Schekel (ca. 50 €) abgeknöpft. Zum Glück hat er über Uber gebucht und das meiste Geld nach einer Reklamation zurück erhalten.

Uber gibt es mit seinem bekannten Prinzip von unabhängigen Fahrern nicht. Man kann die App aber zum Buchen von Taxen benutzen. Empfohlen wird vor Ort häufig der Anbieter Gett, dessen Name auch an vielen Taxen prangert. Ich habe die App heruntergeladen, als sie mich aber auf Russisch, ohne Möglichkeit die Sprache umzustellen, nach meiner E-Mail-Adresse fragte habe ich sie wieder deinstalliert.

Apps

Da ich kein Roaming in Israel habe bzw. dieses zu teuer ist musste ich mich zur Navigation etwas überlegen.

Ich nutze zur Orientierung beim Wandern die App Maps 3D. Dort lässt sich auch leicht eine Karte zur Offlinenutzung herunterladen. Leider fand ich die Qualität der Karten, insbesondere die Umschreibung der Straßennamen in lateinischer Schrift, äußerst dürftig. Nachdem ich mir die Unterkunft auf der Karte markiert hatte konnte ich so jedoch zumindest sehen, wie weit ich mich noch weg befand.

Google Maps hat mir auch erlaubt Karten herunterzuladen, doch als ich die App dann mitten in Tel Aviv geöffnet habe war die Karte leer. Nur wenn ich beim Weggehen in der Unterkunft die Karte und ggf. Route geöffnet hatte konnte ich sie später auch nutzen.

Von anderen Reisenden wurde mir maps.me empfohlen. So wirklich besser als die beiden Alternativen oben empfand ich diese jedoch auch nicht. Wie alle anderen Apps auch, ist das Suchen nach Orten nur möglich, wenn man online ist.

Für den Nahverkehr habe ich mir auf Empfehlung noch Moovit installiert. Die Offline-Pläne enthielten aber bei weitem nicht alle Verbindungen und suchen ließ sich offline auch nichts. Gerade wenn hier nur die hebräische Version der Haltestellen angegeben war, hat die App nicht geholfen.

Englisch

Fast an allen Orten wird recht gut Englisch gesprochen. Straßennamen sind häufig auch in lateinischer Schrift angegeben, was die Orientierung erleichtert. Allerdings kommt es sehr oft vor, dass die englischen Bezeichnungen voneinander abweichen. Die Straße in der wir wohnten hatte drei verschiedene Schreibweisen und war z.B. mit der Angabe der Adresse von Seiten der Unterkunft nicht bei Google Maps zu finden.

Sightseeing

Aufgrund der Größe des Landes lässt sich bei einer Reise nach Tel Aviv auch das nur eine Stunde entfernte Jerusalem erkunden, oder umgekehrt. Beide Städte sind sehr unterschiedlich. Während das erst 1910 gegründete Tel Aviv das moderne Israel repräsentiert, samt Technologiekonzernen und Hipster-Vierteln, ist Jerusalem das historische und religiöse Zentrum des Landes.

In Tel Aviv sollte man einmal entlang der Strandpromenade und durch die Viertel Neve Tzedek und Florentin laufen. Letzteres erinnert start an Neukölln in Berlin. In Jerusalem ist natürlich die historische Altstadt mit der Klagemauer die erste touristische Adresse. Zu meiner Reisezeit im September waren es ganz überschaubare Menschenmassen.

Israel hat mich besonders von seiner kulinarischen Seite überrascht. Kebap, Shawarma, Shakshuka, Falafel und Hummus lernt man hier ganz anders kennen. Bei mir gehörten Hummus und frische Oliven in einer Pita zum normalen Frühstück. Wie meinte ein anderer Konferenzteilnehmer: I can’t get hungry fast enough.

Preise

Israel hat eher teure, westliche Preise. Das Essengehen ist für uns aus der nordostdeutschen Provinz eher teuer, für einen Metropolenbewohner aber noch im Normalbereich. Überraschend teuer sind Lebensmittel im Laden. Für eine Flasche des lokalen Bieres habe ich im Laden 2,5 Euro bezahlt, für eine Büchse Erbsen 3 Euro. Der halbe Liter Bier in der Kneipe kostet im günstigsten Fall 5,50 Euro.

Streetfood ist noch verhältnismäßig günstig, ebenso der Öffentliche Nahverkehr und auch Museen und Sehenswürdigkeiten empfand ich nicht überteuert.

Kreditkarte

Ich bin immer noch ein Freund von Bargeld, aber praktisch konnten wir in Israel überall mit der Kreditkarte bezahlen. Beim Abheben von Geld am Bankautomaten habe ich von meiner Bank einen bis zu 5% schlechteren Kurs erhalten als er z.B. an Wechselstuben vor Ort ausgeschrieben war. Das habe ich so noch nicht erlebt. Hinzu kommt eine Umrechnungsgebühr.

Sabbat und Wochenende

Das Wochenende in Israel geht von Freitag bis Samstag. Sonntag ist ein Arbeitstag. Während des Sabbats ab Freitag Nachmittag bis Samstag Abend fahren zudem keinerlei öffentlichen Verkehrsmittel.

Religion

Ich habe sowohl Atheisten als auch sehr religiöse Menschen getroffen. In einer Situation auf der Konferenz wurde ich von einem offensichtlich orthodoxen Juden begrüßt, während meine Frau nicht einmal angesehen wurde. In einer anderen hat meine Frau einen wahrscheinlich ebenfalls orthodoxen Juden auf der Straße nach dem Weg gefragt, der dann schweigend auf seine Frau verwies die sich dann mit meiner Frau unterhalten durfte. Wir haben uns zumindest versucht in der Jerusalemer Altstadt und im Wohnviertel mit hohem Anteil orthodoxer Juden auch bei großer Hitze etwas konservativer anzuziehen und so unseren Respekt gezeigt.

Klima(anlagen)

Bei 25 Grad in der Nacht und 28 bis 30 Grad am Tag viel das Gepäck für eine Reise Mitte September recht einfach aus. In Jerusalem ist es immer ein paar Grad kälter als in Tel Aviv. Lange Sachen schaden manchmal nicht, weil es innen fast immer eine viel zu kalte Klimaanlage gibt. Im Flughafen oder in Bussen haben wir praktisch gefroren.

Steckdosen

Ich hatte mich im Vorfeld über Steckdosen informiert und mich aufgrund der etwas anderen Optik verleiten lassen einen Adapter mitzunehmen. Erst vor Ort habe ich festgestellt, dass dieser nicht notwendig war und meine Stecker alle passten.

Internet

Aufgrund der teuren Roaminggebühren habe ich mein mobiles Internet im Handy abgeschaltet. In vielen Parks, Einkaufszentren, im Bus, oder im Museum gab es öffentliches W-LAN. Bei mir hat dieses jedoch in vielen Fällen keine funktionierende Verbindung zum Internet herstellen können. Da, wo es ging, habe ich mich gefreut. Grundsätzlich haben wir aber versucht auch offline zu funktionieren.

Abreise vom Flughafen

Zurück ging es wieder mit dem Zug zum Flughafen Ben Gurion. Hier ist zwischen Terminal 1 und Terminal 3 zu unterscheiden. Der größte ist Terminal 3. Ich bin von Terminal 1 abgeflogen, zu dem man mit einem kostenlosen Shuttlebus fährt. Am Terminal angekommen waren wir dank Handgepäck innerhalb von 10 Minuten durch alle Sicherheitskontrollen durch. Entgegen der Informationen im Internet habe ich nicht eine Schlange oder umfangreiche Sicherheitskontrollen erlebt. Vielleicht war das aber auch pures Glück.

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