Im Stehen arbeiten

Es ist schon ein paar Monate her, da habe ich in einem Blog über eine Meta-Studie gelesen, die zum Thema Sitzen bei der Arbeit durchgeführt wurde. Das Fazit dieser Studie lautete, dass das Sitzen beim Arbeiten einen sehr negativen Einfluss auf unsere Gesundheit hat und dieser nicht durch Sport oder andere Maßnahmen ausgeglichen werden kann. Kurz gesagt: je länger du sitzt, desto früher stirbst du. Zur großen Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt. Das hat zu einem Aufschrei in der Internetszene geführt und wurde an vielen Stellen diskutiert. Für mich war schnell klar, dass ich meine Gewohnheiten ändern und mehr im Stehen arbeiten sollte.

Weniger sitzen

Mittlerweile lege ich Wert auf meine Gesundheit und versuche den negativen Einfluss meiner sitzenden Tätigkeit als Programmierer irgendwie zu begrenzen. Ich achte auf meine Ernährung und treibe regelmäßig Sport. Doch die Lektüre der erwähnten Studie hat mich doch zusätzlich aufgerüttelt.

Programmieren ist eine sitzende Tätigkeit, egal wo ich sie ausübe. In der Diskussion um das Sitzen habe ich einen interessanten Artikel eines Bloggers gefunden, der im Selbsttest das Arbeiten im Stehen erprobt hat und seine Erfahrungen unter http://zenhabits.net/stand/ niedergeschrieben hat. Der Autor Corbett Barr konnte nach anfänglich wenigen Stunden nach drei Wochen durchgehend im Stehen arbeiten. Eine kurze Zusammenfassung seiner Erfahrungen dabei:

Mehr Energie und Konzentration

  • er hat mehr Energie während der Arbeit
  • er hat 1,5 Kilogramm abgenommen (Stehen verbrennt zusätzlich 60 Kalorien / Stunde)
  • es fällt ihm leichter sich zu konzentrieren; er schweift weniger ab
  • er kann länger Stehen, wenn es darauf ankommt, z.B. auf Konzerten
  • er sitzt bewusster

Negativ ist ihm aufgefallen, dass

  • Stehen mehr körperliche Energie verbraucht (obwohl das auch positiv sein kann, siehe oben)
  • seine Beine sind Abends teilweise sehr ermüdet

Er beschreibt auch, dass eine weichere Unterlage, z.B. eine Yoga-Matte, das Stehen angenehmer macht als ein harter Fußboden.

Selbst wenn die Forschungsergebnisse sich als falsch erweisen sollten, so würde Corbett Barr den Schritt zum Arbeitem im Stehen wieder machen.

Meine Erfahrungen beim Stehen

Noch in meinem alten Büro habe ich auch begonnen, im Stehen zu arbeiten. Dabei habe ich ebenso wie Corbett Barr mir nur einen Karton genommen und dort meinen Laptop aufgestellt (siehe Foto). In dem Fall war noch ein großes Ikea-Brett zur Stabilisierung notwendig. Damit war mein Stehpult kostenlos und der Schritt es einfach zu versuchen viel schneller getan. Es war schwer sich von alten Gewohnheiten zu lösen und gerade wenn einer meiner freien Mitarbeiter im Büro war, war das Stehen aufgrund der Raumaufteilung unangebracht. Mehr als 4 Stunden über den Tag verteilt habe ich daher nie gestanden.

Durch den Auszug aus dem Büro und zu wenig Platz zu Hause musste ich nach ca. 2 Monaten leider auf das Stehpult verzichten. Mittlerweile habe ich nach einem Umzug den Platz wieder und beginne wieder vermehrt im Stehen zu arbeiten.

Mehr Bewegung

Meine Erfahrung mit dem Stehpult ist die, dass ich mich mehr bewege, wenn ich mich einen Moment nicht konzentrieren kann. Nach einer Weile bin ich darauf gekommen, dass ich doch jonglieren könnte und daher habe ich meine Jonglierbälle im Büro gehabt. Statt also in den Konzentrationspausen im Internet zu surfen, habe ich 5 Minuten jongliert. Allgemein konnte ich mich im Stehen aber deutlich besser konzentrieren und kann die Erfahrung meines Bloggerkollegen daher bestätigen. Natürlich kann auch zu viel Stehen negative Folgen mit sich bringen. Aber ich mache mir darüber keine Sorgen, denn das Sitzen wird trotz aller Anstrengungen weiterhin die Überhand behalten.

Randnotiz: Wie man auf dem Foto sieht, habe ich noch mit meinem Thinkpad begonnen im Stehen zu arbeiten. Mit meinem neuen Mac ist das deutlich schwieriger, weil die hohe Auflösung zu kleinen Schriften führt, die ich nun weniger gut lesen kann. Vielleicht muss ich da nochmal an der Höhe des Stehpultes feilen.

Wer mehr über die Forschungen zum Arbeiten im Sitzen und dessen negative Folgen lesen möchte, findet einige interessante Links im genannten Artikel auf http://zenhabits.net/stand/.

Bildquellen

  • Mein Stehpult: Bildrechte beim Autor

3 Gedanken zu „Im Stehen arbeiten“

  1. Hallo Thomas,

    tolle Artikel und da hast du völlig Recht! Im Stehen arbeiten ist viel angenehmer und entspannter als im Sitzen! Ich bin Grafiker und ich habe bis vor Kurzen immer im Sitzen, manchmal auch im Liegen, gearbeitet. Da hat meine Rücken nach mehrere Sitzstunde nun die Schmerzen gemeldet und die Konzentration lässt schneller nach.

    Ich bin seit 6 Jahre Selbstständig und ich bin nie auf die Idee gekommen mal im Stehen zu arbeiten! Stattdessen habe ich nach gute Stühle gesucht. Komischerweise habe ich immer gedacht, dass Arbeiten im Stehen eher was ungesundes ist und mich weiterhin im Stuhl gequält. Aber es kommt natürlich darauf wie man steht, das kann auch ungesund werden 🙂

    Wie bin ich dazu gekommen: vor drei Monate hat meine Kollege einen Artikel über Stehen gelesen und seitdem arbeitet er nur stehend und er ist sehr zufrieden damit. Ein Monat später habe ich meinem Kollegen gefolgt. Und das war für mich zum Glück sehr überraschend, es wirkt! In meinen Büro sieht so aus: Ich habe Ikea Kindertisch von meinen Sohn auf meinen Tisch hingestellt und arbeitete an meinen Mac stehend. Sehr praktisch! Und kostet keinen weiteren Cent 🙂

    Bin gespannt, ob das bald in der Praxis von vielen, die im Büro arbeiten, umgesetzt wird oder die alte Gewohnheit eher in die Sitze drückt.

    Viele Grüße,
    Dimitri

    • Hi Dimitri,
      ich habe mir mittlerweile sogar ein richtiges Stehpult für zuhause gekauft, das ich je nach Bedarf hin- und herschieben kann. Das kriegen mehr und mehr Leute aus meinem Umfeld mit und ich hoffe, dass bald andere damit beginnen.
      Viele Grüße
      Thomas

Kommentare sind geschlossen.